Die Traboulen an den Hängen der Croix-Rousse
Written by admin on juillet 20th, 2009
Summary:
Die „Traboulen’’ – ein Netz von Geheimgängen („traboules“), das den Revolten der Seidenweber („canuts“) und der Widerstandbewegung in den Jahren 1939-1945 als Tarnung diente. Entdecken Sie die schönsten Aussichtspunkte von Lyon.
Besichtigungstour (Dauer: 2 Stunden):
- Ausgangspunkt: Place des Terreaux
- Hier mündeten zur Zeit des römischen Reichs die beiden Flüsse Rhône und Saône ineinander. Die Stadt Lyon befand sich auf der anderen Seite der Saône, wo heute das Alte Lyon ist. Hier am Place des Terreaux befand sich damals ein Dorf namens Condate.
- Bewundern Sie den Bartholdi Brunnen, der ursprünglich von der Stadt Bordeaux bei dem Bildhauer der Freiheitsstatue von New York in Auftrag gegeben worden war und dann aber in Lyon auf dem Place des Terreaux gegenüber dem Rathaus landete. Michel Noir (Bürgermeister von Lyon in den 90er Jahren) hat ihn dann auf die Mitte des Platzes versetzen lassen als Antwort auf den kleinen Brunnen im Innenhof des Kunstmuseums, der natürlich nur bei geöffneter Museumstür sichtbar ist.
- Der wunderschöne Innenhof des Kunstmuseums wird am Ende des Rundgangs besichtigt werden, wo man dann auf der Caféterrasse die Ruhe und Stille dieses Hofes im Herzen Lyons genießen kann.
- Gehen Sie nun durch die rue Sainte-Marie des Terreaux gleich neben der Apotheke, an den zahlreichen Läden für Döner Kebabs vorbei, die in diesem Viertel zahlreich vertreten sind, und überqueren Sie die rue Sainte-Catherine, die Straße der Nachtbars.
- Dort steigen Sie die Treppe bis zu einem kleinen Platz hinauf. Dies ist der erste der vielfachen für die Croix-Rousse und der Traboule typischen Treppenaufgänge.
- Biegen Sie nun, ohne über den Platz zu gehen, gleich rechts ab.
- Man kommt in einen Hof, der einer der wenigen an den Hängen der Croix-Rousse wieder hergerichteten ist und der mit seinen schattigen Bäumen an einen italienischen Hof erinnert. Zu bestimmten Tageszeiten herrscht hier ein bezaubernd sanftes Licht. Gehen Sie auf der gegenüberliegenden Seite wieder hinaus, wo Sie auf die Rue des Capucins stoßen. Biegen Sie nun links ab. (Vorsicht, die Bürgersteige sind schmal und der Verkehr rege). Laufen Sie nun geradeaus bis zur Ampel, um dort die Straße zu überqueren und in der Rue Sergent Blandan bis zum Platz Sathonay weiterzulaufen.
- Einer der beiden Löwen des Place Sathonay (die Enten gibt es als Zugabe)

Un des deux lions de la place Sathonay (les canards sont en plus)
- Mit dem Place Colbert und, in einem anderen Stil, dem Place des Célestins ist dies einer der schönsten Plätze von Lyon. Das ganze Jahr über, aber besonders im Sommer, geht es hier sehr lebhaft zu. Der Place Sathonay zieht sich bis zum Treppenaufgang hin, der zu dem Jardin des Plantes und dem römischen Amphitheater Les Trois Gaules hinführt. In der Mitte des Platzes steht eine Statue des Sergent Blandan, der in Algerien während der kolonialen Eroberungskämpfe getötet wurde. Er hatte sich durch Tapferkeit ausgezeichnet wie auf dem Sockel der Statue zu lesen ist, was ein Ausspruch für seine Kameraden bezeugt. Am Platzende, links von der Treppe befindet sich das Bürgermeisteramt des 1. Bezirks. Hier wurden vormals Pflanzen hochgepäppelt, die sodann in den Jardin des Plantes verpflanzt wurden, bevor sie dann im Park Tête d’Or, der nach zwei aufeinanderfolgenden Unwettern total verwüstet worden war, endgültig Wurzeln schlagen konnten. Auf beiden Seiten des Treppenaufgangs können Sie zwei bemerkenswerte Löwen bewundern, die in der Stadt Le Creusot gegossen wurden, und die einen eleganten Wasserstrahl speien. Mit ein wenig Glück im Sommer, wenn Sie sich auf der Terrasse des Café de la Mairie gleich nebenan niederlassen, können Sie beobachten, wie die eine oder andere Person sich an diesem Wasserstrahl erquickt. Und da wir gerade über Erfrischung sprechen : an diesem Platz gibt es einen der besten, wenn nicht DEN Besten, Eisverkäufer von Lyon mit einer angenehmen Terrasse, Les Enfants Gâtés- unbedingt weiter zu empfehlen!
- Sie verlassen nun den Place Sathonay. Oberhalb des Polizeireviers befindet sich die Rue Poivre, an deren Ende Sie den Treppenaufgang zur Rue Terme hinaufgehen, die Sie mit äußerster Vorsicht, eventuell etwas weiter unten am Zebrastreifen an der Ampel, überqueren. Gehen Sie nun bis zur Nr. 7 der Rue Terme und drücken Sie den Portiersknopf. Der Eingang müsste sich öffnen und Sie befinden sich in der ersten echten Traboule.
- Vorwarnung: starker Uringeruch….aber achten Sie auf die durch die zahlreichen Besucherpassagen abgenutzten Treppenstufen und in der Mitte der Traboule, hinter einem Gitter, auf ein offenes Treppenhaus, wie es sie so zahlreich in Lyon gibt. Der Ausgang geht auf die Montée de la Grande Côte (Aufstieg zum grossen Hang).
- Dieser Aufgang, der in den letzten Jahren vollkommen neu angelegt wurde, ist einfach herrlich! Vor allem, wenn die Sonne die Häuserfassaden in unterschiedlichen Ockertönen leuchten lässt. Eine Vielzahl von Geschäften, Kunsthandel, alternativen Buchhandlungen, gemütlichen Bars, haben sich hier niedergelassen. Es besteht kein Zweifel: Sie befinden sich auf den Hängen der Croix-Rousse.
- Laufen Sie einige Meter abwärts bis zur Nr.95. Sie stehen vor dem Haus der ersten Arbeitergenossenschaft Frankreichs. Auf die sozialistischen Ideen von Charles Fourier gestützt, bestand ihr Ziel darin, die äußerst schweren Lebensbedingungen der Arbeiterfamilien, besonders der Canuts (Seidenweber), zu mildern, indem ihnen Eßwaren zu Selbstkostenpreisen angeboten wurden. Diese Genossenschaft war damals von großer Bedeutung. Eine Gedenktafel an der Fassade führt die Namen der Gründer auf. Die Genossenschaft hieß » Der wahre und soziale Handelsbetrieb « .
- Bei dieser Gelegenheit sollte auch das Leben dieses Viertels im 19. Jhdt. erwähnt werden, wo der Großteil der Canuts lebte. Tausende von Seidenwebern arbeiteten am Wohnsitz ihrer Meister, die in ihren Wohnungen einige Webstühle aufgestellt hatten, die man auch bistanclaque nannte, was eine Lautmalerei des von den Webstühlen verursachten Geräuschs ist. Diese Wohnungen hatten sehr hohe Decken, damit dort die Webstühle stehen konnten. Sie werden heute als Appartements, oft mit Zwischengeschoss, genutzt. Die Häuser der vormals reichsten Einwohner erkennt man an den Fensterpfosten.
- Laufen Sie jetzt in aller Ruhe die Montée de la Grande Côte hinauf, und geniessen Sie die weiblichen Kurven der farbigen Häuserfassaden. Bei Sonnenschein ist dies ein herrlicher Anblick.
- In der Rue Burdeau biegen Sie nach links ab, und gehen nach einigen Metern bis zum Amphitheater Les trois Gaules hoch, das für sich alleine längere Erklärungen wert wäre. Davon finden Sie aber einige sehr gute auf Wikipedia, wo insbesondere dem politisch religiösen Aspekt, sowie der (wilden) Geschichte von Blandine, die hier wegen ihrer Glaubensüberzeugung hingerichtet wurde, mehrere Artikel gewidmet sind. Dieser Ort wird in den kommenden Jahren eine Weiterentwicklung sehen, wenn das hässliche Gebäude der Kunstakademie oberhalb des Amphietheaters abgerissen wird und dann mit Sicherheit weitere Ausgrabungen stattfinden werden. Es ist dort eine grüne Schneise in der Verlängerung des Jardin des Plantes vorgesehen. Eben hier wurden die Pflanzen im 19.Jhdt gepflegt, die sich heute in den Gewächshäusern des Parks Tête d’Or befinden.
- In diesem Amphitheater versammelten sich an jedem 1. August die Vertreter der 60 Nationen aus den drei gallischen Reichen. Sie trugen ihre Beschwerden vor, die an Rom weitergegeben wurden und Rom übte dort seine Macht aus, vor allem mittels der religiösen Verehrung, die ihm bekundet wurde. Hier gab es Feste, poetische Wettstreite, Opferdarbietungen.
- Gehen Sie jetzt die Treppe hinauf, die auf der rechten Seite des Amphitheaters ist. Unter Ihnen ist der Straßentunnel, der zur Croix-Rousse führt. Die aktuelle Stadtverwaltung hatte bei den letzten Wahlen versprochen hier ein System zu bauen, das die Fahrräder vom Fuß des Hügels bis nach oben transportieren sollte. Aber dieses Projekt ist wohl in Anbetracht der Wirtschaftskrise zum Scheitern verurteilt.
- Sie gehen nun an einer Grundschule und einem Kindergarten entlang. Welch ein Vergnügen, hier zu lernen!
- Sie kommen nun zur Rue des Tables Claudienne, biegen nach rechts ein und gehen bis zur Montée de la Grande Côte, die Sie durch die Gärten der Grande Côte nach oben führt. Achtung, es gibt einige Straßen zu überqueren! Genießen Sie die schönen Fassaden und kleinen Kunsthandwerksläden.
- Nach einer steilen Treppe durch die Gärten der Hänge kommen Sie an einen der schönsten Aussichtspunkte von Lyon. Dieser Platz an der Kreuzung der Rue des Pierres Plantées und der Rue du Bon Pasteur besitzt keinen Namen. Sie können hier verweilen und den Ausblick entweder an dem Geländer oberhalb von wunderschönen Glyzinien genießen, oder aber von der Terrasse des Montanas aus, einem Restaurant-Bar, das u.a. leckere Tajines zubereitet. Bei klarem Wetter ist der Ausblick sehr hübsch: Man kann u.a. die Saône und das Alte Lyon sehr gut sehen.
- Wir wenden uns jetzt der Seite der Croix-Rousse und ihrer Hänge Richtung Rhône zu. Auch hier hat man eine schöne Aussicht gen Osten auf den Park Tête d’Or und wir beginnen nun den zweiten Teil unserer Besuchstour, bei der Sie die schönsten Traboulen und die historischsten Hänge der Croix-Rousse kennenlernen werden.
- Sie gehen jetzt zum Gros Caillou (der große Stein). Dafür läuft man die Rue des Pierres Plantées hinauf und erlangt das Plateau der Croix-Rousse: der Platz, der Boulevard, die Metrostation- alle diese Zentralpunkte heissen „…“ de la Croix-Rousse. Zu Ihrer Linken, wir werden uns aber nach rechts wenden, befinden sich wahre Institutionen der Croix-Rousse: der täglich stattfindende Markt, das Café Le Chantecler sowie das Bürgermeisteramt des 4. Arrondissement, dessen Gedenktafel an die Arbeiterrevolten von 1831 bis 1834 erinnert, die später nochmals erwähnt werden sollen.
- Wir gehen also rechts in Richtung der neuen Esplanade « Le Gros Caillou », die anlässlich der Einrichtung eines unterirdischen Parkplatzes neu hergerichtet wurde (man kann also sehr wohl das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden). Aber was hat es nun genau mit dem Gros Caillou auf sich? Er ist genau das, was seine Name bedeutet: ein großer Stein, dessen Herkunft und Ursprung von den einheimischen Führern gerne auf Gletscher zurückgeführt wird. In Wirklichkeit weiß man aber rein gar nichts Genaues darüber. Ursprünglich lag er am Ende des Boulevards , auf allen Seiten mit Graffitis bemalt, bevor er dann restauriert und zu einem festen Bestandteil der Esplanade wurde. Es gibt hier ein hübsches Terrassencafé, von dem aus man bei schönem Wetter einen tollen Blick auf die Stadt Lyon und die Alpen am Horizont hat.
- Am Ende der Esplanade, steigen Sie die breite Treppe hinab, überqueren die Rue Mottet de Gérando und kommen dann am Place Bellevue an. Hier befindet sich der zweite Aussichtspunkt dieses Rundgangs. Ein weiter Blick auf die Rhône und ihr dunkelgrünes Gewässer, die Brücke Pont de Lattre am Ausgang des Tunnels der Croix-Rousse, die hergerichteten Ufer, wo sich die Bewohner mit VELO’V (Mietfahrräder) und Inline-Rollern amüsieren, auf die in wilder Natur belassenen Ufer, wo im Frühling Frösche ihr Konzert geben, den ganzen sechsten Bezirk, etwas weiter Villeurbanne und seine sehr gut erkennbaren Hochhäuser, weiter links der Park Tête d’Or mit seinem See und seiner Insel. Man verweilt hier oft einen Augenblick, um sich von diesem überragenden Ausblick fesseln zu lassen.
- Sie kommen nun zu einem genauso liebenswerten Platz wie dem Place Sathonay: Place Colbert. Welch ein Glücksgefühl sich hier bei warmem Wetter niederzulassen um etwas zu trinken! Unterhalb des Platzes befindet sich die für die Hänge der Croix-Rousse repräsentativste Traboule.
- Die Traboule « des Voraces » ist sowohl Mittelpunkt der Kultur der Seidenweber, ihrer sozialen Aufstände im 19. Jhdt., der Architektur als auch der Kinder und Jugendlichen ( »les gones »-ein typischer Ausdruck aus Lyon). Versetzen Sie sich in das Zeitalter der Seidenfabrikation: Keine Besucher aus aller Welt, sondern nur Arbeiter und Kinder. Eines der Spiele der Kinder bestand darin, auf den Treppen vor Ihnen hinunterzupoltern
- In diesem Hof versammelte sich angeblich heimlich die Arbeitergesellschaft aus der Seidenindustrie nach dem ersten Aufstand im Jahr 1831. Sie wurde « die Gefräßigen » (les Voraces) genannt und hätte dem Hof und der Traboule diesen Namen gegeben.
- Diese Aufstände der Canuts in den Jahren 1831, 1834, 1848 und 1849 forderten Hunderte von Todesopfern (600 allein im Jahr 1834) und hatten starke Nachwirkungen. Sie werden oft als Auslöser zur Bewusstwerdung bei den Arbeitern für die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses gegen ihre Ausbeutung zitiert. Diese Vergangenheit hat das Viertel gekennzeichnet und auf den Hängen der Croix-Rousse befinden sich heute eine große Anzahl von alternativen Organisationen und Unternehmen.
- Folgen Sie nun dieser Traboule immer weiter hinab, halten Sie sich rechts, überqueren Sie die Rue Imbert Colomès, und treten Sie in die Traboule gegenüber ein. Sie erreichen die Rue des Tables Claudienne. Hier biegen Sie wiederum rechts Richtung Place Chardonnet ab, und gehen dann bis zur Rue Pouteau hinunter. Sodann steigen Sie die Treppe rechts an der Kirche hinab.
- Sie erreichen nun die Passage Thiaffait, wo sich die neue Generation von Modeschöpfern niedergelassen hat. Dieser Ort ist auch ein beliebter Treffpunkt anlässlich der Feste in der Stadt (Fest der Musik, Lichterfest u.ä.)
- Sie können nun entweder rechts bei der Nr. 6 Rue René Leynaud die Traboule bis zur Rue des Capucins durchlaufen. Dort gehen Sie dann links.
- Oder aber Sie gehen links die Rue Saint Polycarpe hinuntergehen, um dann gleich wieder links zu laufen.
- Am Ende der Straße biegen Sie rechts vom Place Croix Paquet in die Rue du Griffon ein und wenden sich gleich wieder links zum Place du Griffon. Dort können Sie ein Treppenhaus zwischen zwei Hausgebäuden sehen. Gehen Sie nun bis links hinten in den Hof, wo Sie wieder die Straße erreichen. Rechts davon der Impasse de Thou, eine Sackgasse.
- Diese Sackgasse ist erst kürzlich hübsch renoviert worden. Hinten rechts ist ein kleines Tor, dass Sie aufstoßen können.
- Sie stehen nun vor einer wunderschönen, sehr klassischen, eckigen Treppe von 22 Meter Höhe. Das müssen Sie unbedingt gesehen haben!
- Gehen Sie die ersten Stufen hinauf und sodann links in die Traboule, die zur Petite Rue des Feuillants führt. Diese Straße können Sie sodann hinunterlaufen bis zum Place Tolozan und der Rhône, um dann bis zum Vorplatz der Lyoner Oper weiterzugehen, wo Sie den HIPHOP-Akrobaten zuschauen können.
- Nun schließt sich der Kreis unserer Besuchsrunde, da wir wieder an unserem Ausgangspunkt dem Place des Terreaux sind.
- Jetzt liegt es bei Ihnen das Netz Ihrer weiteren Besuchsrunden in dieser ehemaligen Hochburg der Seidenindustrie zu spinnen.
Viel Spaß dabei wünscht Ihnen,
Gilles für www.france-visite.info
Übersetzung: Monika Abbey